Unser Projekt SCHULEN FÜR HAITI unterstützt seit 2008 die beiden Schulen ST. EMMA und ST. NICOLAS in Cité Soleil. Das Stadtviertel in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince gehört zu den ärmsten Regionen der Welt.

Da der Schulbesuch in Haiti auch an öffentlichen Schulen Geld kostet, haben heute 25 % aller Kinder in Haiti keinen Zugang zu Bildung. An unseren beiden Schulen ST. EMMA und ST. NICOLAS lernen jedes Jahr mehr als 500 Schulkinder lesen, schreiben und rechnen ohne Schulgeld bezahlen zu müssen. Neben dem Zugang zu Bildung bekommen die Kinder aber auch eine Tagesstruktur und ein liebevolles Lernumfeld. Weil sie in ihrem Umfeld nur Kreyòl sprechen, ist es für ihre Zukunft von besonderer Bedeutung, dass sie in der Schule auch Französisch, die offizielle Amtssprache des Landes, lernen. So haben sie später größere Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden.

In nph deutschland e.V. haben wir einen verlässlichen Partner an unserer Seite. Denn die Organisation ist seit mehr als 25 Jahren vor Ort aktiv und unterstützt den Schulbetrieb in Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung. In beiden Schulen arbeiten ausschließlich Haitianerinnen und Haitianer, das heißt das Projekt schafft Arbeitsplätze vor Ort und unterstützt die regionale Wirtschaft.

SCHULEN FÜR HAITI richtet sich aber auch an deutsche Kinder- und Jugendgruppen und lädt sie ein, sich mit dem Leben und der Situation ihrer Altersgenossen in Haiti zu beschäftigen. Hierfür besuchen wir seit 2008 Schulen, treten mit Kindern und Jugendlichen in Austausch und erzählen über Haiti, Gemeinsamkeiten und Unterscheide im Alltag hier und dort sowie das Menschenrecht auf Bildung.

Mit Schulpatenschaften und selbst organisierten Spendenaktionen tragen Schülerinnen und Schüler von Deutschland aus dazu bei, dass auch Kinder in Haiti eine Schule besuchen können.

Zudem lernen sie, wie sie in einer global vernetzen Welt Verantwortung übernehmen und sich für eine Sache einsetzten können. Diese Skills können sie zukünftig auch für ihre Anliegen in Deutschland anwenden. Durch die positive Erfahrung der Hilfe für Haiti lernen sie also auch Partizipation in ihrer eigenen Demokratie, reflektieren ihre privilegierte Position und stärken ihr soziales Vertrauen.

Sie sind neugierig geworden? Erfahren Sie mehr über die Schulen in Haiti und das Engagement deutscher Schüler und Schülerinnen.

 

         

 



Maries Geschichte

Marie-geschichte
Das Erste, was in der Schule Temple de la Grâce auffällt, ist der Lärm. In einer Schule, die aus uralten Steinen zusammengewürfelt ist, kannst du die Stimmen von Schülern und Lehrern hören, die an den Mauern abprallen und durch die Mauerspalten hindurch widerhallen. Doch gerade dieser permanente Hall macht die Stille in dem Moment besonders außergewöhnlich, sobald die Stimme des Lehrers verstummt und nur noch das Kratzen der Stifte auf dem Papier zu hören ist.

Einer dieser Stifte gehört Marie, eine grinsende neunjährige. „Schau mal!“ - sie zeigt auf die französischen Zeilen, die sie sorgfältig in ihr Heft geschrieben hat. Sie sitzt noch nicht einmal fünf Zentimeter von ihrer Klassenkameradin entfernt, aber die beiden arbeiten symbiotisch. Während sie langsam die kursive Schrift der Lehrerin von der Tafel abschreiben, bewegen sich ihre Köpfe nahezu synchron.
„Ich liebe den Unterricht. Ich muss mein Bestes geben, um gut dazustehen“, erklärt sie, die Beine unter der Bank hin und her schwingend. Sie fasst sich an den Kopf. „Jeden Morgen überprüft meine Tante meine Haare und vergewissert sich, dass meine Schleifen richtig sitzen. Ich weiß, dass es etwas ganz besonderes ist, die Schule besuchen zu können. Viele Kinder in meiner Nachbarschaft dürfen oder können nicht zu Schule gehen und daher weiß ich, dass ich das Beste daraus machen muss. Mein Haus ist klein und wird, besonders bei Regen, schnell nass, dreckig und überflutet. Meine Bücher wickele ich immer ganz sorgfältig ein, damit ihnen nichts passiert.“

„Wir kümmern uns hier um fast 300 Kinder - Kinder, die oft keinen anderen Zufluchtsort haben“, sagt Direktorin Joel Genalien. „Wir sind in einer sehr armen Gegend - ein Ort, wo Leistungen von der Regierung sehr selten ankommen. Unsere Kinder leben in tiefster Armut. Viele kommen hungrig hierher. Und so kümmern wir uns darum, dass sie etwas Nahrhaftes in ihre kleinen Mägen bekommen. Eine warme Mahlzeit und zwar eine große! Denn für viele ist es das einzige Mal am Tag, dass sie etwas essen. Es sind viele Kinder und wir sind hier alle zusammen in dieser alten, umfunktionierten Kirche. Aber egal ob wir eine Mahlzeit teilen oder uns an den Unterricht machen, es hat eine gewisse Anmut an sich.“


Neben der Armut verschärft die Lage der Schule die Situation: Wharf Jeremie, ein Teil des Stadtgebietes Cité Soleil in Port-au-Prince, gehört zu den gefährlichsten Slums Haitis. „Es kann manchmal beängstigend sein“, sagt Marie - ihr Lächeln schwindet einen Moment lang und ihre Augen sind nachdenklich.

Dann aber nickt sie leicht mit dem Kopf und ihre Augen zeigen Entschlossenheit. „Aber ich weiß, der einzige Weg es weniger beängstigend zu machen, ist es hierher zu kommen und zu lernen. Wenn ich hierher komme, empfinde ich Frieden - auch trotz dieses Lärms. Ich kann hier Mathe, Französisch und Naturwissenschaften lernen, ohne mir über das, was draußen passiert, Sorgen machen zu müssen. Für mich ist Temple de la Grâce mehr als nur eine Schule. Es ist mein zweites Zuhause.“